Instrumente der Zeit
Wir schreiben das schicksalsträchtige Jahr 1861: In den Vereinigten Staaten von Amerika beginnt ein Bürgerkrieg, der auch eine Konfrontation zwischen „neuem" und „altem" Denken ist, Zar Alexander II. hebt in Russland die Leibeigenschaft auf, in Cambridge, USA, wird das Massachusetts Institute of Technology (MIT) gegründet, und in Frankfurt am Main präsentiert Philipp Reis das von ihm ein Jahr zuvor erfundene Prinzip der elektrischen Sprachübertragung, das Telefon.
Im deutschen Schwarzwald erlebt die noch junge Kunst des Uhrmachens eine schwere Krise, die zur Herausforderung wird für einen Unternehmer, den die Menschen in der Region und darüber hinaus schon bald als den „Erfinder der deutschen Uhr" bezeichnen werden: Erhard Junghans.
Er war ein Visionär: Erhard Junghans wusste, dass er die Historie nur bewahren und weiterführen konnte, wenn er Herausforderungen mit Innovationskraft und einer prinzipiellen Aufgeschlossenheit allem Neuen gegenüber begegnete. Er gehörte zu den ersten einer neuen Art von Unternehmern, die zwar durchaus wert- aber dabei nicht strukturkonservativ waren. Technische Innovationen, soziale Errungenschaften, kommerzieller Erfolg - der Familienname Junghans wurde auch über die Grenzen Schrambergs und des Schwarzwaldes hinaus zum Synonym für die Segnungen einer neuen Zeit.
Bereits in den letzten zwei Dekaden des 19. Jahrhunderts wurde der traditionsreiche Familienname zu einem Symbol, das weltweit verstanden und geachtet wurde, der Aufstieg zur Weltmarke vollzog sich mit der Präzision eines Uhrwerks. Das 19. Jahrhundert endete mit der vielbeachteten Weltausstellung in Paris - und eine der Attraktionen war eine Uhr aus Schramberg, die Vergangenheit und Zukunft verband. Ein monumentales Werk, das mit der mechanischen Darstellung der Passionsgeschichte und seiner kunstvollen Verzierung zu bezaubern, zu belehren und zu begeistern vermochte.
